Starke Regelblutungen: Typische Anzeichen, Ursachen und was du dagegen tun kannst

Wie viel Blutverlust ist eigentlich normal während der Periode? Diese Frage habe ich mir als Teenager oft gestellt. Ich musste meine Binden sehr häufig wechseln und selbst mit den saugfähigsten Produkten kam es häufig zu Auslaufen. Außerdem verlor ich regelmäßig große Blutklumpen. Das war wirklich unangenehm, und ich fand es oft auch einfach eklig. Noch schlimmer waren jedoch die starken Krämpfe, Rückenschmerzen und Darmbeschwerden, die mich während meiner Periode jedes Mal völlig ausknockten und dafür sorgten, dass ich oft die Schule oder andere Aktivitäten verpasste. Erst Jahre später stellte sich heraus, dass Endometriose die Ursache dafür war.

Inzwischen weiß ich, dass man bei dem, was ich oben beschrieben habe, von starken Regelblutungen bzw. Hypermenorrhoe spricht. Seit ich mit 17 Jahren mit hormoneller Verhütung begonnen habe, bin ich dieses Problem zum Glück los. Dennoch erinnere ich mich noch sehr gut daran, wie lästig es war und wie viele unangenehme und peinliche Momente es mir beschert hat. Viel zu oft musste ich schnell zur Toilette rennen und mir eine Jacke um die Hüften wickeln, um Blutflecken auf meiner Hose zu verbergen. Oder ich war nachts wieder ausgelaufen und hatte blutbefleckte Bettwäsche.

Eine Frau, die eine blutige Menstruationsbinde hinter ihrem Rücken versteckt, als Symbol für starke Regelblutungen.

Und ich bin nicht die Einzige: Starke Regelblutungen zählen zu den häufigsten gynäkologischen Beschwerden. Schätzungen zufolge sind 10 bis 20 % aller Menstruierenden davon betroffen. Oft lässt sich keine klare Ursache finden und eine medizinische Behandlung ist nicht unbedingt notwendig. Manchmal deutet es jedoch darauf hin, dass im Körper etwas mehr los ist, zum Beispiel gutartige Wucherungen in der Gebärmutter, ein hormonelles Ungleichgewicht oder, wie in meinem Fall, Endometriose.

Langfristig kann ein so starker Blutverlust auch zu Eisenmangel und Blutarmut führen. Darum ist es auf jeden Fall sinnvoll, ärztlichen Rat einzuholen, wenn du starke Regelblutungen hast. Doch wie erkennt man eigentlich, ab wann die eigene Regelblutung nicht mehr als normal gilt? Genau darum geht es in diesem Artikel, ebenso wie um mögliche Ursachen und vor allem: was du dagegen tun und wie du besser damit umgehen kannst.

Wann spricht man von starken Regelblutungen?

Wie viel Blut eine Person während der Menstruation verliert, ist sehr individuell und kann sich im Laufe des Lebens verändern. Als normal gelten 30 bis 80 ml Blut in 3 bis 7 Tagen, was ungefähr 2 bis 5 Esslöffeln entspricht. Dauert deine Periode länger oder verlierst du mehr Blut, spricht man von einer verlängerten Blutung (Menorrhagie) beziehungsweise von starken Regelblutungen (Hypermenorrhoe). Beides kann zusammen auftreten, muss aber nicht. 

Ob du mehr als 80 ml Blut verlierst, ist jedoch schwer zu messen, sofern du keine Menstruationstasse oder -scheibe verwendest. Folgende Hinweise können dir dabei helfen, einzuschätzen, ob deine Blutung möglicherweise zu stark ist: 

  • Du musst Binden oder Tampons alle ein bis zwei Stunden wechseln. 

  • Du läufst regelmäßig aus, auch nachts. 

  • Du brauchst eine doppelte Absicherung, z. B. Tampon plus Periodenunterwäsche. 

  • Du verlierst große Blutklumpen, die größer als eine 50-Cent-Münze sind. 

  • Während deiner Periode fühlst du dich oft sehr schlapp oder schwindelig. 

  • Du hast außerdem Unterleibschmerzen. 

Trifft eines oder mehrere dieser Anzeichen regelmäßig auf dich zu? Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass deine Regelblutung stärker als durchschnittlich ist. 

Mögliche Ursachen für starke Regelblutungen 

Doch warum sind so viele Menschen überhaupt davon betroffen? In vielen Fällen findet man keine eindeutige Erklärung. Manchmal hängt es mit genetischer Veranlagung, dem Alter oder der Größe der Gebärmutter zusammen. Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Myome oder Polypen: gutartige Wucherungen in oder an der Gebärmutter  

  • Hormonelle Ungleichgewichte, beispielsweise in der Pubertät, nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren 

  • Endometriose oder Adenomyose: chronische Erkrankung, bei der sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe in der Gebärmutterwand, in der Bauchhöhle oder an anderen ungewöhnlichen Körperstellen befindet 

  • Polyzystisches Ovar-Syndrom (PCOS)

  • Kupferspirale

  • Medikamente, beispielsweise Blutverdünner  

  • Gerinnungsstörungen wie das Von-Willebrand-Syndrom  

  • Entzündungen oder Infektionen im kleinen Becken 

Möchtest du mehr über mögliche Ursachen erfahren? Dann schau hier vorbei.

Wann solltest du dich ärztlich beraten lassen? 

Wenn du den Eindruck hast, dass deine Regelblutungen überdurchschnittlich stark sind, ist es sinnvoll, dies ärztlich abklären zu lassen. Auch wenn sich nicht immer eine klare Ursache finden lässt, können dadurch andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, die gegebenenfalls behandelt oder überwacht werden müssen.

Zudem besteht das Risiko, dass sich durch die starken Blutungen im Laufe der Zeit ein Eisenmangel oder eine Blutarmut (Anämie) entwickelt. Mögliche Anzeichen dafür sind starke Müdigkeit, Blässe, Herzklopfen, Kurzatmigkeit bei Belastung oder Schwindel. Mehr dazu findest du hier.

Grundsätzlich gilt: Sobald du das Gefühl hast, unter deiner Periode zu leiden, ist das ein Signal, ärztliche Hilfe zu suchen. Zur Vorbereitung auf das Arztgespräch ist es hilfreich, über einen Zeitraum von mehreren Monaten ein Menstruationstagebuch zu führen. Darin kannst du Folgendes festhalten:  

  • wie lange deine Periode und dein Zyklus dauern 

  • wie viel Blut du verlierst bzw. wie oft du Menstruationsprodukte wechseln musst 

  • welche Beschwerden auftreten, ob sie schon vor der Periode beginnen und was dir dabei hilft 

  • wie deine Stimmung ist 

  • inwieweit du Aktivitäten absagen musst 

Was kannst du bei starken Regelblutungen tun?

Viele Betroffene entwickeln mit der Zeit eigene Strategien, um besser mit den starken monatlichen Blutungen zurechtzukommen. Für andere ist eine medizinische Behandlung notwendig, entweder weil eine zugrunde liegende Erkrankung vorliegt oder weil die Belastung zu groß ist. In Frage kommen beispielsweise hormonelle Verhütungsmittel (die bei mir das starke Bluten stoppten), andere Medikamente wie Tranexamsäure oder NSAR sowie operative Maßnahmen (mehr dazu hier).

Es gibt auch Dinge, die du selbst tun kannst, um deine Periode erträglicher zu machen: 

  1. Kombination stark absorbierender Produkte

    Verwende Tampons, Binden, eine Menstruationstasse oder Periodenunterwäsche, die besonders viel Blut auffangen können. Um das Auslaufrisiko zu senken, kannst du auch verschiedene Produkte kombinieren, z. B. eine Tasse plus Periodenunterwäsche.

  2. Balance zwischen Bewegung und Ruhe

    Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Dehnübungen kann guttun, aber sorge gleichzeitig für ausreichend Schlaf und plane nicht zu viele Termine während deiner Periode.

  3. Eisenreiche Ernährung

    Iss eisenreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, grünes Blattgemüse und Nüsse. Kombiniere sie mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln, da dein Körper das Eisen so besser aufnehmen kann. Kaffee, Tee und Alkohol solltest du eher vermeiden, da sie die Eisenaufnahme hemmen.

  4. Toilette in der Nähe

    Es ist praktisch, im Voraus zu wissen, wo sich die nächste Toilette befindet. So kannst du schnell hingehen, wenn du spürst, dass du dein Menstruationsprodukt dringend wechseln musst oder etwas ausgelaufen ist. Obwohl ich selbst noch keine Erfahrung damit habe, gibt es Apps, mit denen es einfacher ist, unterwegs eine Toilette zu finden. Eine Übersicht solcher Apps gibt es hier.

  5. Notfallset bei Auslaufen

    Trage für den Notfall immer ein paar Binden, Tampons oder dein bevorzugtes Periodenprodukt bei dir. Ein kleines Täschchen mit Taschentüchern, Feuchttüchern oder ein Waschlappen, Ersatzunterwäsche und ein Plastikbeutel für verschmutzte Kleidung kann ebenfalls Gold wert sein. Um Blutflecken auf dem Weg zur Toilette zu verbergen, ist eine um die Hüften gebundene Jacke oft sehr hilfreich. Wenn du im Rucksack noch Platz hast, kann es zusätzlich Ruhe geben, wenn du sogar eine Ersatzhose dabei hast.

  6. Dunkle, bequeme Kleidung

    Wenn du regelmäßig ausläufst, kann dunkle Kleidung praktisch sein, da Blutflecken darauf weniger auffällig sind. Bei Krämpfen oder Blähungen ist lockere oder elastische Kleidung oft bequemer.

  7. Matratzenschutz

    Benutze einen zusätzlichen Matratzenschoner oder lege nachts ein Handtuch unter deine Hüften, um dein Bett sauber zu halten.

  8. Blutflecken entfernen

    Spüle Blutflecken am besten sofort mit kaltem Wasser aus. Warmes Wasser macht den Fleck nur hartnäckiger, da das Blut dadurch gerinnt. Empfehlenswert sind auch ein spezieller Fleckenentferner aus der Drogerie oder Haumittel wie Salz, Gallseife oder Essig. Weitere Tipps zur Beseitigung von Blutflecken findest du hier.

  9. Wärme und Kräutertee bei Krämpfen

    Hast du Regelschmerzen? Dann kann Wärme sehr gut tun, etwa in Form einer Wärmflasche oder eines heißen Bades. Kräutertees wie Ingwer, Frauenmantel, Fenchel oder Kamille können ebenfalls bei Krämpfen helfen.

  10. Menstruationstagebuch

    Auch für dich selbst kann es hilfreich sein, ein Menstruationstagebuch zu führen. So kannst du herausfinden, was dir hilft, dich wohler zu fühlen, und was eher nicht. 

Zum Schluss

Ob deine Ärztin oder dein Arzt eine eindeutige Ursache für deine starken Regelblutungen findet oder nicht, die gute Nachricht ist: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Stärke der Blutung zu reduzieren oder sie sogar ganz zu stoppen. Zudem kannst du mit guter Vorbereitung und ein paar kleinen Anpassungen im Alltag dafür sorgen, dass dich deine Periode weniger einschränkt und das Bluten nicht ganz so störend ist.

Ich selbst habe jahrelang unter starken Blutungen gelitten, aber zum Glück gehört das inzwischen schon lange der Vergangenheit an. Vielleicht macht dir das ein bisschen Hoffnung.

Hast du eigene Erfahrungen mit starken Regelblutungen oder weitere hilfreiche Tipps? Dann teile sie gerne in den Kommentaren oder kontaktiere mich per E-Mail oder über das Kontaktformular.

Mehr Infos?

Wenn du noch mehr zu diesem Thema lesen möchtest, findest du hier einige interessante Links:

Möchtest du dich noch intensiver mit diesem Thema auseinandersetzen? Hier findest du einige interessante wissenschaftliche Artikel dazu:

  • Comishen, K. J., Bhatt, M., Yeung, K., Irfan, J., Zia, A., Sidonio, R. F., & James, P. (2024). Etiology and diagnosis of heavy menstrual bleeding among adolescent and adult patients: a systematic review and meta-analysis of the literature. Journal of Thrombosis and Haemostasis, 23(3), 863–876. https://doi.org/10.1016/j.jtha.2024.11.014

  • Munro, M. G., Mast, A. E., Powers, J. M., Kouides, P. A., O’Brien, S. H., Richards, T., Lavin, M., & Levy, B. S. (2023). The relationship between heavy menstrual bleeding, iron deficiency, and iron deficiency anemia. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 229(1), 1–9. https://doi.org/10.1016/j.ajog.2023.01.017

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