Endometriose-Diagnose: Ablauf und Untersuchungen einfach erklärt

Zuletzt aktualisiert: 21.08.2026

Endometriose, die bei einer Untersuchung des Unterbauchs festgestellt wird.

Die Diagnose von Endometriose hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Während früher die Diagnose häufig durch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) abgesichert wurde, ist eine Operation heute nicht mehr in jedem Fall erforderlich. Stattdessen spielen Beschwerden, die Krankengeschichte, körperliche Untersuchungen und insbesondere bildgebende Verfahren wie der transvaginale Ultraschall eine zentrale Rolle. Einen Bluttest, mit dem sich Endometriose zuverlässig nachweisen oder ausschließen lässt, gibt es derzeit noch nicht. Neue Verfahren wie Speicheltests werden zwar erforscht und teilweise bereits angeboten, gehören aber aktuell noch nicht zur Standarddiagnostik.

Trotz Fortschritten bei den Diagnosemöglichkeiten kann es nach wie vor Jahre dauern, bis Endometriose erkannt wird. Die Beschwerden sind von Person zu Person sehr unterschiedlich und können sich mit denen anderer Erkrankungen überschneiden. Zudem lässt sich nicht jede Form der Endometriose mit bildgebenden Verfahren gut erkennen. Ein unauffälliger Befund in der Bildgebung schließt Endometriose daher nicht sicher aus. Auch die Rahmenbedingungen des Gesundheitssystems spielen bei der oft langen Suche nach einer Erklärung für die Beschwerden eine Rolle.

In diesem Artikel erfährst du, wie die Diagnostik von Endometriose Schritt für Schritt abläuft, welche Untersuchungen dabei durchgeführt werden, wann eine Bauchspiegelung sinnvoll sein kann und warum es bei vielen Betroffenen noch immer Jahre bis zur Diagnose dauert. Außerdem bekommst du Tipps dazu, was du bei einem Verdacht auf Endometriose selbst tun kannst.

💡 Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische Beratung. Bei Beschwerden solltest du immer ärztlichen Rat einholen. Weitere Informationen findest du auf meiner Disclaimer-Seite.

Inhaltsverzeichnis

    Was ist Endometriose?

    Endometriose ist eine chronische, entzündliche und östrogenabhängige Erkrankung, bei der sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ähnelt, außerhalb der Gebärmutter befindet. Diese sogenannten Endometrioseherde können an unterschiedlichen Stellen im Körper auftreten – besonders häufig im kleinen Becken, zum Beispiel am Bauchfell, an den Eierstöcken oder an Organen wie dem Darm oder der Blase. In seltenen Fällen kann Endometriose auch außerhalb des Beckens auftreten.

    Welche Formen von Endometriose gibt es?

    Endometriose kann an verschiedenen Stellen und in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten. Häufig wird zwischen drei Formen unterschieden:

    1. Oberflächliche peritoneale Endometriose

      Dabei befinden sich meist kleinere, flache Endometrioseherde auf der Oberfläche des Bauchfells (Peritoneum). Diese Form kann mit bildgebenden Untersuchungen schwieriger zu erkennen sein als beispielsweise Endometriome oder tiefere Endometrioseherde.

    2. Ovarielle Endometriose

      An den Eierstöcken können sich sogenannte Endometriome bilden. Diese mit altem Blut gefüllten Zysten werden umgangssprachlich aufgrund ihres Aussehens auch als Schokoladenzysten bezeichnet.

    3. Tief infiltrierende Endometriose (TIE)

      Bei dieser Form wächst das Endometriosegewebe tiefer in das umliegende Gewebe ein. Betroffen sein können beispielsweise die Bereiche zwischen Vagina und Darm (oft im Douglas-Raum), die Blase, die Harnleiter oder der Darm.

    Diese Formen können auch gemeinsam auftreten. Die Einteilung hilft dabei, die Lage und Ausprägung der Endometriose genauer zu beschreiben.

    Im Verlauf der Erkrankung können sich zudem in und um die Endometrioseherde fibrotisches Narbengewebe und Verwachsungen (Adhäsionen) bilden. Dadurch können Organe miteinander verkleben oder in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt werden.

    Welche Symptome können auf Endometriose hinweisen?

    Je nachdem, wo sich die Endometriose befindet, können sehr unterschiedliche Beschwerden entstehen. Typische Beschwerden, die bei Endometriose auftreten können, sind unter anderem:

    • starke Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhoe)

    • wiederkehrende oder chronische Schmerzen im Unterbauch und Becken

    • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)

    • Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Durchfall, Verstopfung oder Schmerzen beim Stuhlgang (Dyschezie)

    • Beschwerden beim Wasserlassen, häufiger Harndrang oder Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie)

    • ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung

    • starke oder ungewöhnlich lange Menstruationsblutungen

    • Schwierigkeiten, schwanger zu werden

    • Unterleibsschmerzen, die in den Rücken oder die Beine ausstrahlen

    Wichtig ist dabei: Wie stark die Beschwerden sind, lässt sich nicht zuverlässig daran ablesen, wie ausgedehnt die Endometriose ist. Auch müssen nicht alle dieser Beschwerden gleichzeitig auftreten, und viele der genannten Symptome können ebenfalls andere Ursachen haben.

    Besonders relevant für den Verdacht auf Endometriose sind deshalb das Zusammenspiel der Beschwerden, ihr zeitlicher Verlauf und ein möglicher Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus. Allerdings können Beschwerden auch außerhalb der Periode auftreten oder nahezu dauerhaft bestehen.

    Starke Regelschmerzen: Wann sind Periodenschmerzen nicht mehr „normal“?

    Leichte bis mäßige Menstruationsschmerzen sind weit verbreitet und nicht automatisch ein Anzeichen für Endometriose. Sehr starke oder zunehmende Schmerzen sollten jedoch nicht einfach als normale Begleiterscheinung der Periode hingenommen werden.

    Ein Hinweis darauf, dass Menstruationsbeschwerden ärztlich abgeklärt werden sollten, kann sein, wenn die Schmerzen:

    • dich regelmäßig daran hindern, zur Arbeit, zur Schule oder zur Universität zu gehen

    • deine alltäglichen Aktivitäten oder dein Sozialleben deutlich einschränken

    • so stark sind, dass du regelmäßig Schmerzmittel brauchst, um deinen Alltag bewältigen zu können

    • im Laufe der Zeit stärker werden

    • bereits vor der Menstruation beginnen oder auch nach der Periode anhalten

    • mit weiteren Beschwerden wie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Stuhlgang oder Wasserlassen einhergehen.

    Endometriose kann auch ohne typische Symptome auftreten

    Nicht immer verursacht Endometriose die typischen starken Regelschmerzen. Manche Betroffene haben nur leichte oder hauptsächlich unspezifische Beschwerden wie Verdauungsprobleme und Müdigkeit, während andere zunächst überhaupt keine deutlichen Symptome bemerken. In manchen Fällen wird Endometriose auch erst im Rahmen einer Abklärung wegen unerfüllten Kinderwunsches entdeckt.

    Endometriose kann außerdem in seltenen Fällen an ungewöhnlichen Stellen außerhalb des Beckens auftreten und dadurch eher untypische Beschwerden verursachen. Dazu gehören beispielsweise zyklusabhängige Schmerzen im Schulterbereich bei einem Befall des Zwerchfells oder eine zyklische Schwellung und Schmerzen in einer Operationsnarbe, etwa nach einem Kaiserschnitt.

    Wann sollte man Beschwerden ärztlich abklären lassen?

    Eine ärztliche Abklärung kann insbesondere sinnvoll sein, wenn mehrere der genannten Beschwerden zusammen auftreten, regelmäßig wiederkehren oder einen erkennbaren Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus haben. Du solltest Beschwerden außerdem ernst nehmen, wenn sie deinen Alltag oder deine Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.

    Auch eine familiäre Belastung kann den Verdacht auf Endometriose verstärken. Wenn bei einer Verwandten ersten Grades, zum Beispiel deiner Mutter oder Schwester, Endometriose diagnostiziert wurde und du selbst entsprechende Beschwerden hast, kann dies den Verdacht zusätzlich unterstützen.

    Letztlich gibt es jedoch kein einzelnes Symptom und keinen bestimmten Schmerzgrad, anhand dessen sich Endometriose sicher erkennen oder ausschließen lässt. Wenn Beschwerden wiederholt auftreten oder dich belasten, kann ein Gespräch mit dem Hausarzt oder einer Gynäkologin der erste Schritt zur weiteren Abklärung sein.

    Warum eine frühzeitige Diagnose bei Endometriose wichtig ist

    Viele Endometriose-Betroffene leben über mehrere Jahre hinweg mit ungeklärten, belastenden Beschwerden. Oft durchlaufen sie zahlreiche Untersuchungen, erhalten Fehldiagnosen oder erleben, dass ihre Beschwerden als psychisch bedingt oder „übertrieben“ abgetan werden. Eine Diagnose bietet Klarheit und ermöglicht die Suche nach einer gezielten Behandlung, die dazu beitragen kann, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

    Außerdem kann eine frühzeitige Diagnose bei Endometriose dazu beitragen, möglichen langfristigen Folgen der Erkrankung durch eine geeignete Behandlung entgegenzuwirken. Endometriose kann unter anderem mit zunehmenden oder chronischen Schmerzen, Verwachsungen und Veränderungen des Gewebes sowie einer Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit einhergehen. Bei stärker ausgeprägter, insbesondere tief infiltrierender Endometriose können in seltenen Fällen auch Organe wie Darm, Blase oder Harnleiter betroffen sein und in ihrer Funktion beeinträchtigt werden.

    Doch wie verläuft der Weg zur Diagnose konkret? Der erste wichtige Schritt bei Verdacht auf Endometriose ist ein ausführliches Gespräch über deine Beschwerden mit einer Ärztin oder einem Arzt – die sogenannte Anamnese.

    Wie wird Endometriose diagnostiziert?

    Das Anamnesegespräch: Beschwerden und Krankengeschichte

    Die Diagnostik von Endometriose beginnt in der Regel mit einem ausführlichen Anamnesegespräch über deine Beschwerden und deine Krankengeschichte. Je nach Wohnort und Gesundheitssystem findet dieses Erstgespräch in einer hausärztlichen oder gynäkologischen Praxis statt.

    Im Gespräch geht es darum, deine Beschwerden und deren Verlauf möglichst genau zu erfassen. Die Ärztin oder der Arzt wird dich unter anderem nach folgenden Punkten fragen:

    • Deine Beschwerden

      Welche Symptome hast du, wie stark sind sie und wie beeinflussen sie deinen Alltag? Wann haben die Beschwerden begonnen? Treten sie regelmäßig auf? Haben sie sich im Laufe der Zeit verändert oder verstärkt?

    • Dein Zyklus

      Wie regelmäßig ist deine Menstruation, wie lange dauert sie und wie stark ist die Blutung? Wie stark sind die Regelschmerzen und brauchst du dafür Schmerzmittel? Besteht ein Zusammenhang zwischen den Beschwerden und deinem Menstruationszyklus?

    • Weitere Symptome

      Häufig wird gezielt nach Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Stuhlgang oder beim Wasserlassen gefragt. Auch Verdauungsbeschwerden, Müdigkeit und ein unerfüllter Kinderwunsch können für die Einschätzung relevant sein.

    • Deine Krankengeschichte

      Welche Untersuchungen wurden bisher durchgeführt? Wurden bereits andere mögliche Ursachen für deine Beschwerden festgestellt? Auch frühere Behandlungen und deren Wirkung können wichtige Hinweise liefern – zum Beispiel Schmerzmittel oder hormonelle Verhütungsmittel.

    • Familiäre Belastung

      Die Ärztin oder der Arzt kann fragen, ob bei einer Verwandten ersten Grades, zum Beispiel deiner Mutter oder Schwester, Endometriose diagnostiziert wurde. Eine solche familiäre Belastung kann den Verdacht auf Endometriose zusätzlich unterstützen.

    Auf Grundlage des Anamnesegesprächs entsteht zunächst ein genaueres Bild deiner Situation. Je nach Beschwerden, Verdacht und bisherigen Befunden können anschließend weitere Untersuchungen wie eine gynäkologische Untersuchung und ein transvaginaler Ultraschall folgen.

    Gynäkologische Untersuchung

    Bei der gynäkologischen Untersuchung tastet die Ärztin oder der Arzt zunächst den Bauch und den Beckenbereich ab. Meistens wird zudem eine vaginale und gegebenenfalls eine rektale Tastuntersuchung durchgeführt.

    Bei dieser Untersuchung wird auf verschiedene Anzeichen geachtet:

    • Druckschmerz

      Gibt es bestimmte Bereiche, die besonders empfindlich oder schmerzhaft auf Druck reagieren?

    • Beweglichkeit

      Lassen sich die Gebärmutter und das umliegende Gewebe normal bewegen? Eine eingeschränkte Beweglichkeit kann auf Verwachsungen in der Bauchhöhle hinweisen.

    • Gewebeveränderungen

      Lassen sich Auffälligkeiten wie Verhärtungen oder tastbare Knoten feststellen?

    Eine solche Untersuchung kann wichtige Hinweise liefern – zum Beispiel bei tief infiltrierender Endometriose im Bereich zwischen Scheide und Enddarm oder bei anderen Veränderungen im kleinen Becken.

    Bei Verdacht auf Endometriose wird zusätzlich in der Regel ein transvaginaler Ultraschall durchgeführt – auch dann, wenn die gynäkologische Untersuchung unauffällig ist.

    Transvaginaler Ultraschall

    Der transvaginale Ultraschall ist ein zentraler Bestandteil der Endometriose-Diagnostik. Dabei wird eine schmale Ultraschallsonde vorsichtig in die Scheide eingeführt, um die Gebärmutter, die Eierstöcke und das umliegende Gewebe genauer darzustellen.

    Mit einer gezielten Ultraschalluntersuchung lassen sich insbesondere Endometriome (Zysten) an den Eierstöcken und viele Formen der tief infiltrierenden Endometriose erkennen und beurteilen. Je nach Lage können dabei auch Läsionen an der Blase, am Darm oder an den Harnleitern sichtbar werden. Außerdem kann die Untersuchung Hinweise auf Verwachsungen oder eine eingeschränkte Beweglichkeit von Organen liefern.

    Der Ultraschall kann darüber hinaus dabei helfen, andere mögliche Ursachen der Beschwerden zu erkennen. Dazu können beispielsweise Adenomyose, Myome oder andere Veränderungen an den Eierstöcken gehören.

    Die Erfahrung der untersuchenden Person spielt eine wichtige Rolle

    Wie aussagekräftig ein Ultraschall bei Endometriose ist, hängt nicht nur von der Lage, Größe und Ausprägung der Endometrioseherde ab. Auch die Erfahrung und Spezialisierung der untersuchenden Person spielen eine wichtige Rolle.

    Eine gezielte Endometriose-Sonografie durch eine erfahrene Fachperson kann insbesondere bei tief infiltrierender Endometriose und anderen schwer erkennbaren Herden aussagekräftiger sein als eine routinemäßige gynäkologische Ultraschalluntersuchung. Dabei werden bestimmte Bereiche des kleinen Beckens systematisch untersucht und spezielle Ultraschalltechniken eingesetzt. Dazu gehört beispielsweise der Sliding Sign: Dabei wird mithilfe des Ultraschalls beurteilt, wie frei sich die Gebärmutter und andere Organe gegeneinander verschieben lassen. Ein eingeschränktes oder fehlendes „Sliding Sign“ kann dabei auf Verwachsungen hinweisen.

    Warum ein unauffälliger Ultraschall Endometriose nicht ausschließt

    Ein unauffälliger transvaginaler Ultraschall bedeutet nicht automatisch, dass keine Endometriose vorliegt. Besonders oberflächliche Endometriose am Bauchfell kann selbst mit technisch gut durchgeführtem Ultraschall – ebenso wie mit anderen bildgebenden Verfahren – schwer oder gar nicht sichtbar sein. Auch kleinere oder ungünstig gelegene Herde können unentdeckt bleiben.

    Wenn deine Beschwerden trotz unauffälligem Befund bestehen bleiben und weiterhin auf Endometriose hindeuten, können je nach Situation weitere Untersuchungen oder eine Überweisung an eine spezialisierte Endometriose-Sprechstunde oder ein Endometriosezentrum sinnvoll sein.

     

    Meine persönliche Erfahrung mit Endometriose-Diagnostik per Ultraschall

    Nach 17 Jahren Beschwerden und einem allein aufgrund der Symptome bestehenden Verdacht auf Endometriose wurde bei mir im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) eine tief infiltrierende Endometriose im Douglas-Raum, an den uterosakralen Bändern und am Enddarm festgestellt. Außerdem fanden sich mehrere Läsionen an der Bauchdecke sowie zahlreiche Verwachsungen.

    Über die Jahre waren bereits mehrere Ultraschalluntersuchungen durchgeführt worden – darunter wenige Wochen vor dem Eingriff auch eine Untersuchung durch einen sehr erfahrenen Endometriose-Spezialisten. Keine dieser Untersuchungen hatte Hinweise auf die Endometriose ergeben. Als einzige Auffälligkeit wurde eine nach hinten geneigte (retrovertierte) Gebärmutter beschrieben. Auch die Tatsache, dass meine Eierstöcke an der Rückseite der Gebärmutter festgewachsen waren, wurde im Ultraschall nicht erkannt.

    Das hat mich im Nachhinein durchaus überrascht. Mein Chirurg erklärte mir jedoch, dass er in seiner langjährigen Berufserfahrung bereits ähnliche Fälle erlebt hat, wenn auch selten.

     

    MRT bei Endometriose

    Eine Magnetresonanztomographie (MRT) kann bei Verdacht auf Endometriose ergänzend zum Ultraschall eingesetzt werden. Sie ist insbesondere dann hilfreich, wenn der Ultraschall keinen eindeutigen Befund liefert, eine tief infiltrierende Endometriose vermutet wird oder die genaue Ausdehnung der Erkrankung beurteilt werden soll.

    Mit einer MRT lassen sich die Strukturen im kleinen Becken detailliert darstellen. Dadurch können beispielsweise eine mögliche Beteiligung von Darm, Blase oder Harnleitern sowie die Lage und Ausdehnung tief infiltrierender Endometrioseherde genauer beurteilt werden. Dies kann auch für die Planung einer möglichen Operation hilfreich sein.

    Auch eine unauffällige MRT schließt Endometriose allerdings nicht sicher aus. Vor allem oberflächliche peritoneale Endometrioseherde und Verwachsungen können schwer oder gar nicht erkennbar sein.

    Bluttest oder Speicheltest für Endometriose?

    Vielleicht hast du schon von Blut- oder Speicheltests gehört, mit denen sich Endometriose nachweisen lassen soll. Tatsächlich gibt es hier inzwischen neue Entwicklungen.

    Ein Beispiel ist der Ziwig Endotest®, bei dem anhand einer Speichelprobe nach molekularen Merkmalen gesucht wird, die mit Endometriose in Zusammenhang stehen. Der Test ist inzwischen CE-gekennzeichnet und für die professionelle Anwendung erhältlich. Bisherige Validierungsdaten zeigen eine hohe diagnostische Genauigkeit. Dennoch ist der Test derzeit noch kein regulärer Bestandteil der Endometriose-Diagnostik in den gängigen Leitlinien. Sein Stellenwert im klinischen Alltag und sein Nutzen im Vergleich zu etablierten Diagnoseverfahren werden weiterhin bewertet.

    Auch bei Bluttests wird intensiv geforscht. Verschiedene Kombinationen aus microRNAs, Proteinen, Hormonen und anderen Biomarkern zeigen in Studien interessante Ergebnisse. Für die routinemäßige Diagnose von Endometriose sind solche Bluttests derzeit jedoch noch nicht ausreichend validiert. Auch der häufig bestimmte Tumormarker CA-125 eignet sich nicht dazu, Endometriose sicher nachzuweisen oder auszuschließen.

    Weitere Untersuchungen abhängig von den Beschwerden

    In manchen Fällen können weitere Untersuchungen sinnvoll sein, um andere mögliche Ursachen der Beschwerden abzuklären oder eine mögliche Organbeteiligung genauer zu beurteilen. Je nach Beschwerden können beispielsweise die Nieren und Harnleiter per Ultraschall untersucht, die Gebärmutterhöhle mittels Hysteroskopie beurteilt oder bei entsprechenden Darmbeschwerden eine Darmspiegelung (Koloskopie) durchgeführt werden.

    Braucht man für die Diagnose von Endometriose eine Bauchspiegelung?

    Lange Zeit galt die Bauchspiegelung (Laparoskopie) als Goldstandard für die Diagnose von Endometriose. Dabei können Endometrioseherde direkt in der Bauchhöhle betrachtet und gegebenenfalls Gewebeproben (Biopsien) entnommen werden. Die Diagnose kann dadurch zusätzlich histologisch, also durch die Untersuchung des entnommenen Gewebes unter dem Mikroskop, abgesichert werden.

    Heute ist für die Diagnose nicht mehr zwingend eine Operation erforderlich. Beschwerden, Krankengeschichte, körperliche Untersuchungen und Bildgebung wie Ultraschall oder MRT können häufig bereits eine klinische Diagnose ermöglichen. Bei einem entsprechenden Verdacht kann außerdem eine medikamentöse Behandlung – oft mit einer Hormontherapie zur Linderung der Beschwerden – begonnen werden, ohne dass die Diagnose zuvor chirurgisch bestätigt wurde.

    Wann kann eine Bauchspiegelung sinnvoll sein?

    Auch wenn die Diagnosestellung von Endometriose heute in vielen Fällen ohne chirurgischen Eingriff auskommt, kann eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) in bestimmten Situationen weiterhin sinnvoll sein, zum Beispiel:

    • wenn eine medikamentöse Behandlung, zum Beispiel mit Hormonen oder Schmerzmitteln, nicht ausreichend hilft, nicht vertragen wird oder nicht infrage kommt

    • wenn trotz unauffälligem Ultraschall oder MRT weiterhin ein deutlicher Verdacht auf Endometriose besteht

    • wenn eine tief infiltrierende Endometriose oder eine mögliche Organbeteiligung vermutet wird, insbesondere wenn ohnehin eine operative Behandlung erwogen wird

    • wenn bei unerfülltem Kinderwunsch eine operative Behandlung im individuellen Fall die Chancen auf eine natürliche Schwangerschaft verbessern könnte – nach sorgfältiger Abwägung des möglichen Nutzens und der Risiken, insbesondere für die Eierstockreserve, sowie im Hinblick auf reproduktionsmedizinische Maßnahmen wie IVF.

    Was passiert bei einer Bauchspiegelung?

    Bei einer Bauchspiegelung wird unter Vollnarkose über kleine Schnitte in der Bauchdecke eine Kamera in die Bauchhöhle eingeführt. Die Ärztin oder der Arzt kann dadurch die Organe und das Bauchfell direkt betrachten und nach Endometrioseherden, Endometriomen, Verwachsungen oder anderen Veränderungen suchen.

    Werden verdächtige Herde gefunden, können während desselben Eingriffs Gewebeproben entnommen und zur histologischen Untersuchung eingeschickt werden. Je nach Befund und vorheriger Planung können Endometrioseherde oder Verwachsungen teilweise auch direkt behandelt werden.

    Eine Bauchspiegelung kann damit sowohl zur weiteren Diagnostik als auch zur Behandlung eingesetzt werden. Die Entscheidung für oder gegen eine Bauchspiegelung sollte individuell unter Berücksichtigung der Beschwerden, bisherigen Untersuchungsergebnisse, Behandlungsoptionen, möglichen Risiken und persönlichen Ziele getroffen werden.

    Wenn du mehr über den genauen Ablauf einer Bauchspiegelung bei Endometriose, die Indikationen dafür und die Vorbereitung sowie die Erholung danach erfahren möchtest, empfehle ich dir meinen separaten Artikel.

    Warum Endometriose oft so spät erkannt wird

    Trotz der Weiterentwicklung der Diagnosemöglichkeiten kann es bei Endometriose noch immer Jahre dauern, bis die Diagnose gestellt wird. Eine aktuelle internationale Übersichtsarbeit ermittelte eine durchschnittliche diagnostische Verzögerung von 6,8 Jahren, wobei die Ergebnisse je nach Land und Studie deutlich variieren. Die WHO nennt derzeit einen Zeitraum von etwa 4 bis 12 Jahren.

    Die Gründe dafür sind vielschichtig:

    • Unspezifische Symptome und Normalisierung

      Starke Menstruationsbeschwerden werden gesellschaftlich und medizinisch noch immer häufig als „normal“ abgetan. Betroffene erleben zudem leider immer wieder, dass ihre Beschwerden bagatellisiert oder als psychisch bedingt eingeordnet werden. Gleichzeitig sind die Symptome von Person zu Person sehr unterschiedlich – sowohl hinsichtlich ihrer Art als auch ihrer Stärke. Viele Beschwerden sind zudem unspezifisch und können beispielsweise auch bei Adenomyose, Reizdarm, Blasenproblemen oder anderen Ursachen von Beckenschmerzen auftreten. Das kann zu Fehldiagnosen oder einer verzögerten Diagnose beitragen.

    • Grenzen der Diagnostik

      Nicht jede Form von Endometriose ist mit bildgebenden Verfahren zuverlässig erkennbar. Zudem galt die Bauchspiegelung lange als wichtiger Schritt zur Diagnosesicherung. Die mit einer Operation verbundenen Belastungen und Risiken konnten eine weitere Hürde auf dem Weg zur Diagnose darstellen.

    • Fehlende Expertise und Hürden im Gesundheitssystem

      Unzureichende ärztliche Erfahrung mit Endometriose, verzögerte Überweisungen, Untersuchungen ohne gezielten Endometrioseverdacht sowie lange Wartezeiten und begrenzte Ressourcen im Gesundheitssystem können die Diagnosestellung zusätzlich verlängern.

    Verdacht auf Endometriose: Was kann ich selbst tun?

    Wenn du den Verdacht hast, dass deine Beschwerden mit Endometriose zusammenhängen könnten, kannst du selbst einiges dazu beitragen, dass die weitere Abklärung möglichst gezielt erfolgt:

    1. Führe ein Symptomtagebuch

      Notiere über mehrere Menstruationszyklen, wann welche Beschwerden auftreten, wie stark sie sind und wie sie deinen Alltag beeinflussen. Das kann das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt und die erste Einschätzung erleichtern.

    2. Bereite deinen Arzttermin vor

      Nimm – wenn vorhanden – frühere Untersuchungsergebnisse sowie eine Übersicht über bisherige Behandlungen und Medikamente mit. Sprich auch ausdrücklich an, wenn du einen Verdacht auf Endometriose hast, und notiere dir vorab wichtige Fragen, die du stellen möchtest.

    3. Frage nach den nächsten diagnostischen Schritten

      Bei Verdacht auf Endometriose gehört ein transvaginaler Ultraschall in der Regel zur weiteren Abklärung. Wenn deine Beschwerden trotz unauffälligem Befund bestehen bleiben, besprich, ob weitere Untersuchungen oder eine Überweisung an eine spezialisierte Praxis sinnvoll sind. Auch eine zweite ärztliche Meinung kann hilfreich sein, wenn du das Gefühl hast, dass deine Beschwerden nicht ausreichend ernst genommen werden.

    Fazit: Die Diagnose von Endometriose hat sich verändert

    Eine Endometriose-Diagnose erfordert heute nicht mehr zwangsläufig eine Bauchspiegelung. Ein ausführliches Anamnesegespräch, gezielte gynäkologische Untersuchungen und insbesondere ein spezialisierter transvaginaler Ultraschall stehen heute im Mittelpunkt der Diagnostik.

    Dennoch bleibt eine frühzeitige Diagnose für viele Betroffene eine Herausforderung. Wenn du den Verdacht auf Endometriose hast, kannst du selbst dazu beitragen, die weitere Abklärung zu unterstützen: Bereite dich gut auf das Arztgespräch vor, stelle gezielte Fragen und sprich anhaltende oder ungeklärte Beschwerden offen an. Wenn nötig, kannst du auch nach einer Überweisung an ein Endometriosezentrum fragen. Wenn du das Gefühl hast, dass deine Beschwerden nicht ausreichend ernst genommen oder berücksichtigt werden, kann eine zweite ärztliche Meinung hilfreich sein.

    Hast du selbst den Verdacht, dass du Endometriose haben könntest? Oder hast du bereits eine Diagnose erhalten? Teile deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren – wie lange hat es bei dir bis zur Diagnose gedauert?

    FAQ - Häufig gestellte Fragen zur Endometriose-Diagnose

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    ➜ Mein persönlicher Weg mit Endometriose

    Lies mehr über meinen eigenen Weg von den ersten Beschwerden und zahlreichen Untersuchungen bis zur Diagnose einer tief infiltrierenden Endometriose.

     

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    Weiterführende Informationen

    Wenn du dich noch tiefer in das Thema einlesen möchtest oder auf der Suche nach offiziellen Anlaufstellen bist, findest du hier hilfreiche Links und wissenschaftliche Quellen:

    🏥 Patienteninformationen & Fachportale

    📄 Medizinische Leitlinien

    🔬 Wissenschaftliche Studien

    • Fryer, J., Mason-Jones, A. J., & Woodward, A. (2025): Understanding diagnostic delay for endometriosis: A scoping review using the social-ecological framework. Health Care for Women International. DOI: 10.1080/07399332.2024.2413056

      💡 Scoping Review zur diagnostischen Verzögerung bei Endometriose.

    • Bendifallah, S., Suisse, S., Puchar, A. et al. (2022): Salivary MicroRNA Signature for Diagnosis of Endometriosis. Journal of Clinical Medicine. DOI: 10.3390/jcm11030612

      💡 Validierungsstudie zur Genauigkeit der microRNA-Analyse im Speichel für die Endometriose-Diagnostik.

    • Bendifallah, S., Roman, H., Suisse, S. et al. (2025): Validation of a Saliva Micro-RNA Signature for Endometriosis. NEJM Evidence. DOI: 10.1056/EVIDoa2400195

      💡 Prospektive multizentrische Studie zur diagnostischen Genauigkeit der Speichelanalyse bei Verdacht auf Endometriose.

    • Kaspute, G., Bareikiene, E., Prentice, U. et al. (2024): A Comprehensive Review of Advanced Diagnostic Techniques for Endometriosis: New Approaches to Improving Women's Well-Being. Medicina. DOI: 10.3390/medicina60111866

      💡 Wissenschaftliche Übersichtsarbeit zu modernen Verfahren der Endometriose-Diagnostik.

    • Dev, H., Falkner, N. M., & Lee, E. (2026): Navigating complexity: review and updates of endometriosis and adenomyosis imaging. The British Journal of Radiology. DOI: 10.1093/bjr/tqag007

      💡 Aktuelle Übersichtsarbeit zum Einsatz moderner Bildgebungsverfahren bei der Diagnostik von Endometriose.

    Davita Billiet

    Davita ist Gründerin von Embracing Endo und selbst von Endometriose betroffen. Ihr Hintergrund in Pflege (BSc) und Psychologie (MSc) sowie ihre über 20-jährige persönliche Erfahrung mit der Erkrankung bilden die Grundlage für ihre Beiträge – wissenschaftlich fundiert und praxisnah rund um das Leben mit Endometriose.

    https://www.embracing-endo.com/ueber-mich
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