Endometriose und ein Hund als Haustier: Vorteile und Herausforderungen
Vor fünf Wochen mussten mein Mann und ich uns plötzlich von unserer geliebten Hündin Emma verabschieden. Bei ihr wurde eine aggressive und unheilbare Krebserkrankung festgestellt. Vor nicht einmal vier Jahren kam sie in unser Leben: eine magere, sehr ängstliche, aber überraschend verschmuste und brave ehemalige Straßenhündin aus Ungarn. Mit der Zeit entwickelte sie Schritt für Schritt mehr Vertrauen zu uns, unsere Spaziergänge wurden entspannter und in Phasen entwickelte sie immer wieder komische Gewohnheiten, die uns zum Lachen brachten.
Ein paar Monate nachdem Emma bei uns eingezogen war, bekam ich täglich mit Schmerzen und Müdigkeit aufgrund von Endometriose zu kämpfen, was noch Jahre andauern sollte. Sie hat den gesamten Weg mit mir zurückgelegt: den langen Erholungsprozess nach meiner Operation, manchmal kurze, manchmal längere Spaziergänge und viele Tage auf der Couch. Solange sie bei mir sein konnte, war für sie alles in Ordnung und sie passte sich mühelos an. Ich gab ihr eine sichere Basis, Wärme und Fürsorge, und sie gab mir Trost, Freude und Struktur. Ich vermisse sie jeden Tag. Auch wenn sie eine Lücke hinterlässt, ist die Liebe, die noch immer da ist, viel stärker als die Trauer.
In Erinnerung an Emma – und daran, was für eine besondere Hündin sie war – möchte ich in diesem Artikel darüber schreiben, wie es ist, einen Hund zu haben, wenn man Endometriose hat: über die Vorteile, die ein Hund als Haustier und Wegbegleiter bieten kann, aber auch über die Herausforderungen, die damit verbunden sind.
Der größte Vorteil: die besondere Bindung zwischen Mensch und Hund
Ich denke, viele Hundeliebhaber werden mir zustimmen, dass der größte Vorteil eines Hundes im Haus die Liebe ist, die er schenkt. Je nachdem, ob man einen Welpen oder einen erwachsenen Hund mit einer nicht immer schönen Vorgeschichte ins Haus holt, kann der Aufbau einer starken, liebevollen und vertrauensvollen Beziehung schneller oder langsamer verlaufen. Hat man jedoch das Herz seines Hundes gewonnen, ist diese Liebe bedingungslos. Es spielt keine Rolle, wie du aussiehst, wie du dich fühlst oder was du tust – dein Hund liebt dich, möchte nichts lieber, als bei dir zu sein, und bleibt dir treu.
Diese bedingungslose Liebe ist wunderschön. Gleichzeitig macht sie die Entscheidung, einen Hund ins Haus zu holen, zu einer Entscheidung, die gut überlegt sein will. Denn wenn man seinen Hund aus welchem Grund auch immer irgendwann wieder abgibt, ist das für den Hund sehr schmerzhaft. Ein Hund erfordert Zeit, Pflege, ausreichende finanzielle Mittel und Stabilität – und das über viele Jahre hinweg, je nach Alter und Gesundheitszustand.
Die Vorteile eines Hundes als Haustier bei Endometriose
Abgesehen von der Liebe, die ein Hund einem schenkt, bietet die Entscheidung für einen Hund noch viele andere Vorteile, die insbesondere bei einer chronischen Erkrankung wie Endometriose zusätzlich ins Gewicht fallen können.
Struktur und Ziele in deinem Alltag
Ein Hund bringt Struktur in dein Leben. Du gehst mehrmals am Tag mit ihm spazieren, es gibt feste Futter- und Snackzeiten und ihr entwickelt gemeinsam kleine Routinen, wie zum Beispiel abends zusammen auf dem Sofa zu entspannen. Außerdem planst du deinen Tag so, dass dein Hund nicht zu lange allein bleiben muss.
Unsere Hündin Emma sorgte zudem dafür, dass wir relativ regelmäßige Schlafenszeiten einhielten. Morgens lief sie vor Begeisterung quietschend um unser Bett herum, suchte nach Streicheleinheiten und ermunterte uns – mal mehr, mal weniger subtil –, den Tag zu beginnen. Abends machte sie dann wieder sehr deutlich, dass es ihrer Meinung nach Zeit zum Schlafengehen war: Sie lief demonstrativ zwischen dem Schlafzimmer hin und her oder knurrte sanft, um anzudeuten, dass es Zeit war, das Licht auszuschalten und still zu sein.
An diese Tagesstruktur muss man sich erst gewöhnen und sie kann sich manchmal etwas einschränkend anfühlen. Gleichzeitig tat es mir sehr gut, einen solchen Halt zu haben, vor allem in der Zeit, in der es mir körperlich deutlich schlechter ging. Mein Gesundheitszustand war und ist bis heute sehr unvorhersehbar, aber diese täglichen Routinen mit Emma bildeten eine Konstante, die mir Ruhe und Orientierung gab.
Mehr Bewegung und frische Luft
Bei Wind und Wetter: Als Hundebesitzer verbringt man automatisch mehr Zeit im Freien. Hunde brauchen nun einmal Bewegung und müssen regelmäßig nach draußen, um ihr Geschäft zu verrichten. Das hält fit, und frische Luft oder Sonnenstrahlen auf der Haut können sowohl körperlich als auch geistig wirklich guttun.
Sich um andere kümmern
Wenn man mit einer chronischen Krankheit lebt, kann sich der Alltag stark darum drehen, wie es einem körperlich oder geistig geht. Manche Menschen können aufgrund ihrer Krankheit weniger oder gar nicht arbeiten, was nicht selten zu Minderwertigkeitsgefühlen führt. Sich um ein anderes Lebewesen zu kümmern und das Gefühl zu haben, gebraucht zu werden, kann dann sehr befriedigend sein. Gleichzeitig bietet es eine wertvolle Ablenkung und verstärkt das Gefühl von Sinnhaftigkeit.
Emotionale Unterstützung
Seien wir ehrlich: Hunde kümmern sich auch um uns. Sie haben ein überraschend gutes Gespür dafür, wenn es uns nicht gut geht, und suchen dann oft Kontakt oder legen sich ruhig neben uns. Ihre Anwesenheit kann Entspannung bringen, ein Gefühl der Sicherheit vermitteln und in schwierigen Momenten Trost spenden. Das rhythmische Streicheln des Fells, der Blickkontakt mit dem geliebten Hund oder ein gemeinsamer Spaziergang reduzieren zudem Stress.
Weniger Einsamkeit und mehr sozialer Kontakt
Ein Hund kann eine wertvolle Hilfe gegen Einsamkeit sein, denn er leistet Gesellschaft und bringt Leben ins Haus. Außerdem sorgen Hunde auch draußen für mehr soziale Interaktionen. Bei Spaziergängen merkt man schnell, dass man leicht mit anderen Hundeliebhabern ins Gespräch kommt. Meiner Erfahrung nach wird man mit Hund auch häufiger auf der Straße um Hilfe gebeten, beispielsweise um den Weg zu zeigen. Zugegeben: Nicht jeder findet unerwartete soziale Kontakte auf der Straße angenehm, daher kann dies für manche eher zu den Herausforderungen gehören.
Positive Gefühle und kleine Glücksmomente
Der Enthusiasmus eines Hundes ist ansteckend. Sei es ein fröhliches Schwanzwedeln zur Begrüßung, lustige Angewohnheiten oder gemeinsames Spielen: Hunde zaubern einem oft ein Lächeln ins Gesicht. Besonders viel Freude und Erfüllung kann es bringen, einen Hund aus dem Tierschutz zu adoptieren und zu beobachten, wie er mit viel Zeit, Geduld und Liebe immer mehr aufblüht.
Herausforderungen der Hundehaltung bei Endometriose
Natürlich bringt ein Hund nicht nur Vorteile mit sich. Neben einer Menge Haare, die wirklich überall landen, und gelegentlichen schlammigen Pfotenabdrücken in der Wohnung gibt es auch einige Herausforderungen, die es zu berücksichtigen gilt – vor allem, wenn man an einer chronischen Erkrankung wie Endometriose leidet.
Weniger Flexibilität
Ein Hund braucht tägliche Pflege. Ob es regnet, schneit oder stürmt, ob du dich fit genug fühlst oder nicht: Er muss regelmäßig raus, braucht Futter und Aufmerksamkeit. An Tagen mit starken Schmerzen oder großer Müdigkeit kann das ganz schön anstrengend sein.
Auch wenn du wegen Endometriose operiert werden musst oder eine Kur machen möchtest, ist das mit einem Hund komplizierter. Einen Hundesitter für diese Zeit zu finden, erfordert nicht nur eine gute Organisation, sondern verursacht auch zusätzliche Kosten. Nach meiner Operation musste ich außerdem darauf achten, dass unsere fröhliche und energiegeladene Hündin nicht aus Versehen gegen oder auf meinen Bauch sprang.
Ein Hund kann die Flexibilität auch in weiteren Bereichen einschränken. Spontane Reisepläne sind schwieriger umzusetzen, da nicht jedes Reiseziel oder jede Art des Reisens mit einem Hund geeignet ist. Auch die Kombination mit der Arbeit kann eine Herausforderung darstellen. Viele Arbeitsstellen erlauben es nicht, den Hund mitzubringen, und manche Hunde – wie unsere Emma – sind zu ängstlich, um durch andere Menschen betreut zu werden. Das kann besonders problematisch sein, wenn man aufgrund einer chronischen Erkrankung ohnehin schon Schwierigkeiten hat, einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden.
Hohe Kosten
Natürlich verursacht ein Hund auch einige Kosten. Dazu gehören Futter, Ausrüstung wie ein Hundebett, Geschirr, Leine, Maulkorb und Spielzeug, die Hundesteuer sowie gegebenenfalls Kosten für einen Gassi-Service oder eine Tagesbetreuung. All das kann ganz schön ins Geld gehen.
Der größte Kostenfaktor ist jedoch oft der Tierarzt. Während Routineuntersuchungen und Impfungen in der Regel vergleichsweise günstig sind, können die Kosten schnell ansteigen, wenn der Hund krank wird oder einen Unfall hat und Medikamente, spezielle Untersuchungen oder Operationen erforderlich sind.
In Emmas letzten Wochen haben wir beispielsweise etwa 2.000 Euro an Tierarztkosten gehabt. Laut anderen Hundebesitzern kann die Summe häufig noch viel höher ausfallen, und das bei chronischen Erkrankungen sogar über längere Zeit. Es gibt zwar Krankenversicherungen für Hunde, aber auch die sind nicht billig und decken oft nicht alle Leistungen ab.
Mögliche Verhaltensprobleme
Wenn man, wie mein Mann und ich, einen Hund aus dem Tierschutz adoptiert, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er aufgrund seiner Vorgeschichte gewisse „Altlasten“ mitbringt, beispielsweise in Form von Ängsten, unzureichender Sozialisierung oder manchmal aggressivem Verhalten.
Daran kann man sicherlich arbeiten, und es ist etwas Wunderbares, zu sehen, wie sich ein Hund immer weiter in eine positive Richtung entwickelt. Gleichzeitig erfordert dies jedoch eine große Investition an Energie, Geduld und manchmal auch Geld für individuelles Hundetraining.
Aber auch Welpen von Züchtern können irgendwann Verhaltensprobleme entwickeln. Denk zum Beispiel an übermäßiges Bellen, Schwierigkeiten, allein zu bleiben, oder Dinge kaputtmachen.
Sorgen um die Gesundheit und Sicherheit des Hundes
Hunde können nicht mit Worten sagen, wie sie sich fühlen, und neigen dazu, ihr Unwohlsein zu verbergen, wenn sie krank sind. Daher bemerkt man manchmal erst nach einiger Zeit, dass etwas nicht in Ordnung ist, und es kann dann eine Herausforderung sein, herauszufinden, was genau los ist.
Darüber hinaus gibt es auch im Alltag Risiken, auf die Hundebesitzer achten müssen. Dazu gehören Glasscherben auf der Straße, verkehrsreiche Straßen, giftige Pflanzen, Abfälle oder sogar Giftköder, die auf dem Boden liegen und von einem Hund gefressen werden könnten.
Kontakt mit anderen Hundebesitzern
Wie bereits erwähnt, kommt man beim Gassigehen oft mit anderen Hundeliebhabern oder -besitzern in Kontakt. Das kann schön sein, aber leider verläuft nicht jede Begegnung reibungslos.
Manche Menschen versuchen beispielsweise, deinen Hund ungefragt zu streicheln, oder lassen ihren Hund einfach auf deinen Hund zulaufen. Wenn dein Hund das nicht mag, kann es zu unangenehmen oder sogar gefährlichen Situationen kommen.
Es kommt auch vor, dass Hunde dort ohne Leine laufen, wo dies eigentlich nicht erlaubt ist, oder dass Besitzer ihre Hunde nicht gut unter Kontrolle haben. Manchmal zeigen auch Hunde (bzw. ihre Besitzer) aggressives Verhalten. Das erfordert manchmal eine gewisse Standhaftigkeit und Konfliktbereitschaft deinerseits (aka „Mama-Bear-Modus“).
Allergierisiko
Im Durchschnitt leiden Menschen mit Endometriose häufiger an Allergien, darunter auch gegen Tierhaare. Übrigens können Allergien auch im späteren Leben auftreten, selbst wenn man früher nie darunter gelitten hat.
Es kann auch vorkommen, dass ein neuer Partner oder die eigenen Kinder allergisch auf Hunde reagieren. Dann steht man vor einer besonders schwierigen Entscheidung: Soll man versuchen, die Allergene im Haus durch Hygiene und andere Maßnahmen so gut wie möglich zu reduzieren? Oder soll man ein neues Zuhause für den Hund suchen, was emotional sehr schwer ist – für sich selbst, aber insbesondere für den Hund?
Sich verabschieden müssen
Schließlich gibt es eine Realität, mit der jeder Hundehalter irgendwann konfrontiert wird. Hunde leben leider in den allermeisten Fällen kürzer als wir. Je nach Größe, Rasse und Gesundheit werden sie im Durchschnitt sieben bis sechzehn Jahre alt. Das bedeutet, dass irgendwann der Tag kommt, an dem man sich von seinem treuen Vierbeiner verabschieden muss – und das tut weh.
Ist ein Hund bei Endometriose eine gute Idee?
Ob es eine gute Idee ist, einen Hund aufzunehmen, wenn du Endometriose hast, hängt von deiner persönlichen Situation ab: deiner Gesundheit, deinen Arbeits- und Lebensumständen, deiner finanziellen Situation sowie davon, ob du Unterstützung von einem Partner oder einer Partnerin, deiner Familie oder deinem Freundeskreis erhältst. Ein Hund braucht Pflege und Aufmerksamkeit, auch an Tagen, an denen dein Körper nicht mitspielt. Das ist nicht immer einfach und erfordert manchmal kreative Lösungen. Außerdem gibt es ein paar Risiken wie mögliche Verhaltens- oder Gesundheitsprobleme, die du bedenken solltest.
Gleichzeitig kann ein Hund eine große Bereicherung sein, Trost, Liebe und Freude schenken und ein wertvoller Begleiter auf deinem Weg mit Endometriose sein. Es ist also eine Entscheidung, die gut überlegt sein will. Wenn du dir jedoch sowohl der Vorteile als auch der Herausforderungen bewusst bist und glaubst, dass die Umstände passen, dann wage den Schritt und genieße es in vollen Zügen!
Wie es für uns weitergeht
Ich bereue es jedenfalls überhaupt nicht und habe die Zeit mit Emma trotz der Herausforderungen als eine der schönsten Erfahrungen in meinem Leben empfunden. Ich bin sehr dankbar, dass sie in der Zeit, in der ich täglich mit Schmerzen und Erschöpfung zu kämpfen hatte, an meiner Seite war. Ich glaube jedoch, dass ich die Pflege eines Hundes nicht geschafft hätte, wenn ich diese Aufgabe nicht mit meinem Mann hätte teilen können.
Und wie geht es für uns weiter? In einigen Monaten reisen wir nach Japan. In den letzten Jahren waren unsere Urlaubsziele mit Hund auf Orte beschränkt, die nur wenige Autostunden entfernt waren, also machen wir jetzt das Beste aus der Situation. Denn danach werden wir einen neuen Hund, sehr wahrscheinlich wieder aus dem Tierschutz, in unserer Familie willkommen heißen.
Hast du selbst Endometriose und einen Hund? Oder denkst du darüber nach, einem Hund ein Zuhause zu geben? Ich bin neugierig auf deine Erfahrungen. Teile sie gerne in den Kommentaren mit!
Mehr Infos?
Wenn du noch mehr zu diesem Thema lesen möchtest, findest du hier einige interessante Links:
Youtube-Video von Quarks von ARD darüber, wie Hunde uns fit halten
Wissenschaftlicher Artikel über die Gründe, weshalb ein Hund gut für die Gesundheit sein kann
Wissenschaftlicher Artikel über die möglichen Vorteile eines Hundes bei chronischen Schmerzen
Website des Tierschutzvereins Notpfote, über den wir unsere Hündin Emma adoptiert haben
Informationen von PETA über die Adoption eines Hundes aus dem Tierschutz oder Tierheim