Fernreise mit Endometriose: Wie ich mich auf drei Wochen Japan vorbereite

Reisen hat mich schon immer angezogen: neue Orte und Kulturen entdecken, mehr Zeit mit meinen Liebsten verbringen und dem Alltag für eine Weile entfliehen. In den vergangenen Jahren haben wir uns eher auf die Nachbarländer konzentriert. Nach meiner Endometriose-Operation machten mir lange Autofahrten nämlich oft zu schaffen, und auch für unsere Hündin Emma wollten wir das Reisen so entspannt wie möglich gestalten. Jetzt, da Emma leider vor kurzem gestorben ist, möchten wir die Gelegenheit nutzen: Bevor wieder eine neue Fellnase bei uns einzieht, steht dieses Mal ein großes Abenteuer in der Ferne an.

Die Entscheidung fiel uns leicht. Unsere Begeisterung für Japan hat viele verschiedene Gründe: unsere Leidenschaft für die Manga- und Anime-Serie Detektiv Conan, mein Interesse an japanischer Kunst und Keramik sowie die Faszination meines Mannes für Nintendo, Fotografie und Technologie. Und nicht zu vergessen kulinarische Spezialitäten wie Ramen, Udon, Wakame und Matcha!

Frau zieht einen Koffer und ist auf dem Weg in den Urlaub.

Obwohl ich mich deutlich fitter fühle, seit ich Ryeqo einnehme, und mittlerweile so gut wie schmerzfrei bin, bleibt so eine Fernreise spannend. Wie geht man mit langen Flügen, Jetlag und der Einteilung der eigenen Energie um, wenn man eine unvorhersehbare Krankheit wie Endometriose hat? In diesem Blogpost teile ich mit euch, wie ich mich auf drei Wochen Japan vorbereite, damit ich die Zeit in vollen Zügen genießen kann – von praktischen Aspekten wie Medikamenten, einer Reiseversicherung und einem Endometriose-Reisekit bis hin zu Möglichkeiten, unsere Planung endometriosefreundlich zu gestalten.

Endometriose als unsichtbare Reisebegleiterin: zusätzliche Herausforderungen

Wo immer ich auch hinfahre, reist die Endometriose mit mir – wie eine Art unsichtbare, manchmal ziemlich anspruchsvolle Gefährtin. Während sich andere vor allem Sorgen um Verspätungen oder verlorenes Gepäck machen, muss ich auch die Unberechenbarkeit meines Energieniveaus und die Möglichkeit plötzlicher Schmerzattacken weit weg von zu Hause einkalkulieren.

Langes Stillsitzen im Flugzeug, ein voller Zeitplan, Sprachbarrieren oder Veränderungen wie eine andere Zeitzone, Ernährung oder ein anderes Klima sind zusätzliche Herausforderungen, wenn man chronisch krank ist. Reisen erfordert daher einen anderen Ansatz: einen ständigen Spagat zwischen dem Wunsch, alles sehen und erleben zu wollen, und dem Einplanen von genügend Ruhepausen und smarten Anpassungen, um es machbar zu halten.

So mache ich diese Reise endometriose-sicher

Für mich beginnt die Reise lange bevor ich ins Flugzeug steige. Mein Mann und ich haben uns ausführlich über Reiseführer, Websites und YouTube-Kanäle wie Kensho Quest, PiQtour Japan und Abroad in Japan informiert, noch bevor wir mit der konkreten Planung und den Buchungen begonnen haben.

Je besser ich mich vorbereite, desto unbeschwerter kann die Reise verlaufen. Doch was bedeutet das konkret? Hier sind die wichtigsten Dinge, die ich im Vorfeld geregelt habe.

Mein Endometriose-Reisekit

Das nehme ich standardmäßig auf Reisen mit – für extra Komfort unterwegs und als Absicherung, falls ich es brauchen sollte:

  • Schmerzmittel (mit ärztlicher Bescheinigung)

  • Wärmepflaster

  • TENS-Gerät

  • Kleine Wärmflasche (Alternative: elektrisches Wärmepad oder Kirschkernkissen)

  • Stretchy, bequeme Kleidung

  • Ohrstöpsel und Schlafmaske

  • Wasserflasche

  • Gesunde Snacks (z.B. Nüsse, dunkle Schokolade, Obst oder Gemüsesticks)

  • Notfallplan für den Fall der Fälle

Endometriose-freundliches Fliegen

Ein Flug nach Japan ist lang, daher ist es wichtig, so viel Stress wie möglich zu vermeiden und für ausreichend Komfort zu sorgen, damit mein Körper nicht schon zu Beginn der Reise streikt.

Deshalb haben wir uns für einen Direktflug von etwa 13 Stunden mit Japan Airlines entschieden und etwas mehr in Premium Economy Sitzplätze investiert.

Außerdem habe ich folgendes vorbereitet:

  • Bahntickets, mit denen wir frühzeitig am Flughafen ankommen, um uns in der Lounge noch einmal auszuruhen und etwas zu essen

  • Einen Sitzplatz am Gang, damit ich regelmäßig aufstehen und mich dehnen kann sowie problemlos die Toilette erreiche, ohne andere zu stören

  • Vorabbestellung einer speziellen Mahlzeit, um meinen „Endo-Belly“ zu minimieren (zusätzlicher Vorteil: Man bekommt das Essen meist etwas früher als die anderen Passagiere)

  • 360°-Nackenkissen, aufblasbares ergonomisches Sitzkissen, kleines Rückenkissen und Kompressionsstrümpfe

  • Noise-Cancelling-Kopfhörer und mein E-Book-Reader

  • Und natürlich mein Endometriose-Reisekit im Handgepäck

Medikamente und medizinische Versorgung vor Ort

Ich nehme immer ausreichend Medikamente für die gesamte Reise mit, plus einen zusätzlichen Puffer für den Fall, dass etwas Unerwartetes passiert. Alles kommt in mein Handgepäck, damit ich jederzeit Zugriff darauf habe. Zusätzlich nehme ich ärztliche Atteste auf Englisch mit und prüfe vorab, ob meine Medikamente in Japan erlaubt sind.

Da ich mein Endometriose-Medikament (Ryeqo) zu einer festen Uhrzeit einnehmen muss, berechne ich im Voraus, wie spät es in der anderen Zeitzone in Japan sein wird. Ich stelle mir dafür einen Alarm auf meinem Smartphone, damit ich es auf keinen Fall vergesse.

Darüber hinaus habe ich noch einige Dinge vorab recherchiert und organisiert:

  • Informationen darüber, wie die medizinische Versorgung in Japan funktioniert und wo ich eine Arztpraxis oder eine Apotheke finden kann

  • Einige Basissätze über meine Erkrankung, übersetzt ins Japanische

  • Eine Reiseversicherung, die medizinische Kosten abdeckt, einschließlich bestehender Vorerkrankungen

Umfassende, realistische und flexible Planung

In den letzten Jahren habe ich gelernt, dass eine durchdachte Planung mir Ruhe schenkt und unterwegs mehr Freiraum schafft, um wirklich genießen zu können. Meine Art der Planung basiert auf ein paar festen Prinzipien:

  1. Zuerst gründlich vorbereiten

    Ich recherchiere viel im Voraus, was mir als neurodivergente Person ohnehin sehr guttut. Denke an Reiserouten, strategisch günstig gelegene Hotels, ruhige Orte, Standorte von Toiletten (in Japan gibt es dafür praktische Apps) und die beste Zeit für Sehenswürdigkeiten, wenn es weniger überlaufen und kühler ist. Außerdem suche ich vorab nach Restaurants mit vegetarischen Optionen.

  2. Schlau wählen und buchen

    Alle Orte, die wir besuchen möchten, markiere ich in Google Maps und suche nach Hotels in der Nähe – am liebsten gut angebunden und nah an Convenience Stores. Zudem entscheide ich mich so oft wie möglich für stornierbare oder umbuchbare Optionen bei Hotels, Transportmitteln und Aktivitäten.

  3. Ruhe bewusst einplanen

    Ruhemomente sind ein fester Bestandteil meiner Planung:

    • Nickerchen im Hotel

    • Pausen in einem Park oder einem ruhigen Café

    • Pufferzeiten zwischen den Aktivitäten

    • Abwechslung zwischen vollen und ruhigeren Tagen

    • Ein warmes Bad am Abend

  4. Flexibilität in der Tagesgestaltung

    Aktivitäten unterteilen wir in „unbedingt machen“ und „nur wenn genug Energie da ist“. Das macht es einfacher, loszulassen, wenn etwas körperlich nicht machbar ist, ohne das Gefühl zu haben, dass die Reise dadurch „gescheitert“ ist.

Extra Komfort

Neben dem Zeitplan und medizinischen Aspekten gibt es auch einige kleine Dinge, die für mich einen großen Unterschied in Sachen Reisekomfort machen:

  • Hotelzimmer mit Badewanne, was in Japan zum Glück eher der Standard ist (Wärme lindert Schmerzen und Stress)

  • Immer endometriosefreundliche Snacks und Wasser griffbereit haben

  • Bequeme, gut eingelaufene Schuhe für lange Tage, an denen man viel zu Fuß unterwegs ist

  • Dehnbare, lockere Kleidung aus weichen, atmungsaktiven Stoffen, da mein „Endo-Belly“ sonst ziemlich unangenehm sein kann

  • Powerbank

  • Faltbarer UV-Schutz-Regenschirm, praktisch sowohl bei Regen als auch bei starker Sonne

Gute Kommunikation

Last but not least ist ein wichtiger Teil meiner Vorbereitung die klare Kommunikation mit meinem Mann darüber, wie wir reagieren, wenn ich eine Schmerzattacke habe oder meine Energie nachlässt. Wir besprechen im Vorfeld, wie er mir helfen kann und welchen Plan B wir haben, damit wir in diesem Moment nicht mehr nachdenken oder improvisieren müssen.

Ein Beispiel dafür ist, dass ich mich bei Bedarf mit einem Tee und einem Buch zurückziehen könnte, während er in aller Ruhe ein Kamerageschäft besucht.

Reisen mit Endometriose: Zwischen Planung und Loslassen

Wie du siehst, erfordert das Reisen in ferne Länder mit Endometriose (zumindest für mich) einiges an zusätzlicher Vorbereitung. Es klingt nach viel Aufwand – und das ist es auch – aber in den letzten Jahren habe ich mich oft durch meine Erkrankung eingeschränkt gefühlt. Jetzt möchte ich das Beste daraus machen, dass es mir körperlich dank Ryeqo derzeit deutlich besser geht und wir für eine Weile kein Haustier haben.

Es ist eine ständige Suche nach dem Gleichgewicht zwischen Planung und Loslassen, zwischen dem Wunsch, viel zu erkunden und zu erleben, und dem Respektieren der Grenzen meines Körpers. Ich freue mich auf jeden Fall riesig auf das kommende Abenteuer!

Nach unserer Reise werde ich natürlich berichten, wie es tatsächlich war, drei Wochen lang mit Endometriose durch Japan zu reisen. Hast du selbst Erfahrungen oder Reisetipps, die du teilen möchtest? Hinterlasse gerne einen Kommentar – ich lese sie mit großem Interesse.

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