Überleben auf 10.000 Metern Höhe mit Endometriose: meine Vorbereitung auf einen Langstreckenflug nach Tokyo
Stundenlang in einem Flugzeugsitz zu verbringen, ist für die meisten Menschen eine unangenehme Vorstellung. Doch für diejenigen, die mit einer chronischen Erkrankung wie Endometriose leben, kann es zu einer echten körperlichen Belastungsprobe werden. Die Angst vor Schmerzen und anderen Beschwerden, ausgelöst durch das lange Stillsitzen – und das auf 10.000 Metern Höhe, umgeben von Hunderten anderen Passagieren – kann eine große Hürde sein, die Reise überhaupt erst anzutreten.
Trotzdem steige ich bald in einen 13-stündigen Direktflug nach Japan. In diesem Artikel nehme ich dich mit in meine Vorbereitung und teile meine persönlichen Überlebensstrategien, damit auch du mit mehr Vertrauen deine Traumreise buchen kannst.
Warum Endometriose einen Langstreckenflug besonders schwierig macht
Ein langer Flug ist eine Summe von Faktoren, die Endometriose-Beschwerden auslösen oder verschlimmern können.
Das stundenlange Stillsitzen in einem engen Sitz übt zusätzlichen Druck auf das Becken aus, was schnell zu Schmerzen und Spannungen im Unterleib und Rücken führt. Hinzu kommen der Kabinendruck, die trockene Luft und das verarbeitete Flugzeugessen – und schon hat man das Rezept für den berüchtigten „Endo-Belly“.
Was es besonders schwierig macht, ist der Mangel an Kontrolle. Man kann sich nicht einfach hinlegen, wenn der Körper danach verlangt, und man kann auch nicht völlig selbst bestimmen, wann man isst, aufsteht oder zur Toilette geht. Man ist dem Rhythmus und den Anweisungen der Crew ausgeliefert und muss Rücksicht auf andere Passagiere nehmen.
Kombiniert mit dem Stress und der Müdigkeit des Reisens selbst, wird klar, warum eine gute Vorbereitung entscheidend ist, um einen Langstreckenflug mit Endometriose zu überstehen.
Entscheidungen im Vorfeld, die wirklich einen Unterschied machen
Meine Vorbereitung auf den Flug nach Japan begann bereits bei der Buchung. Ich habe mich bewusst für einen Direktflug mit Japan Airlines (JAL) entschieden. Obwohl diese Option etwas teurer war als ein Flug mit Umstieg, bedeutet es weniger Stress bei Verspätungen, eine kürzere Reisezeit und ein geringeres Risiko für verlorenes Gepäck.
Zusätzlich haben mein Mann und ich in Premium-Economy-Sitze investiert. Bei JAL bedeutet das deutlich mehr Beinfreiheit, eine Fuß- und Beinstütze sowie die Möglichkeit, den Sitz nach hinten zu neigen, ohne dass andere Passagiere dadurch gestört werden. Dadurch kann ich häufiger die Position wechseln und den Druck auf mein Becken entlasten. Außerdem sitzt kein weiterer Passagier direkt neben uns, was mir mehr Ruhe gibt, falls es mir körperlich schlecht gehen sollte.
Weitere Vorteile sind der Zugang zur Lounge vor dem Abflug (ziemlich außergewöhnlich für Premium Economy – danke, JAL!) und Priority-Check-in, was mir beides hilft, Energie zu sparen. Ich kann das natürlich erst im Nachhinein endgültig beurteilen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Extrakosten es wert sein werden.
Des Weiteren habe ich einen Gangplatz gewählt, um öfter aufstehen und mich bewegen oder zur Toilette gehen zu können. Schließlich habe ich im Voraus eine Mahlzeit bestellt, die in meine endometriosefreundliche Diät passt. JAL bietet großartige Optionen an, von vegetarisch über glutenfrei bis hin zu „minimal allergen“. Ein schöner Bonus: Spezialmenüs werden oft zuerst serviert.
Endometriose-Reisekit im Handgepäck
Wenn ich bald ins Flugzeug steige, befindet sich mein Endometriose-Reisekit sicher verstaut in meinem Handgepäck.
Was ich standardmäßig dabei habe:
Schmerzmittel (mit ärztlichem Attest)
Wärmepflaster
TENS-Gerät mit Ersatzbatterien
Kleine Wärmflasche
Kompressionsstrümpfe (für eine bessere Durchblutung)
Wiederbefüllbare Wasserflasche
Gesunde Snacks (wie Nüsse, dunkle Schokolade, Obst oder Gemüsesticks)
Notfallplan (damit ich weiß, was bei aufkommenden Beschwerden zu tun ist)
Alles, was ich brauchen könnte, um Beschwerden während des Fluges abzufangen, habe ich so direkt griffbereit.
Zusätzlich nehme ich einige Dinge für den allgemeinen Komfort mit:
360°-Nackenkissen
Aufblasbares ergonomisches Sitzkissen
Kleines Rückenkissen
Lippenbalsam
Ohrstöpsel und Schlafmaske
Bequeme, lockere Kleidung ohne einengenden Bund
Extra Socken und ein warmes Oberteil
Es klingt nach viel, nimmt aber weniger Platz ein als man denkt – und macht für mich einen großen Unterschied.
Während des Fluges: So unterstütze ich meinen Körper
Einmal in der Luft, plane ich, meinen Körper so gut wie möglich mit ein paar einfachen Strategien zu unterstützen:
Regelmäßige Bewegung
Ich werde etwa jede Stunde aufstehen, um mich zu dehnen oder ein Stück den Gang entlangzulaufen. Das hilft, Steifheit zu vermeiden und fördert die Durchblutung – wichtig bei Endometriose und bei mir auch im Hinblick auf beginnende Krampfadern.
Häufige Positionswechsel
Ich werde versuchen, regelmäßig meine Sitzposition zu verändern, mithilfe des verstellbaren Sitzes und der mitgebrachten Kissen.
Den Körper warm halten
Ich achte darauf, dass mir warm genug ist, da Kälte meine Beschwerden verschlimmern kann. Bei Bedarf werde ich die Crew um eine zusätzliche Decke oder das Befüllen meiner Wärmflasche bitten.
Bewusst essen und trinken
Ich habe bereits eine spezielle Mahlzeit bei JAL gewählt, die meine Bauchbeschwerden möglichst gering halten soll. Außerdem werde ich regelmäßig Wasser oder Kräutertee trinken. Das bedeutet zwar häufigere Toilettengänge, hilft aber gegen die trockene Luft und die Auswirkungen des Kabinendrucks.
Ruhen statt „schlafen müssen“
Schlafen im Flugzeug fällt mir schwer. Ich mache es mir so bequem wie möglich mit Nackenkissen, zusätzlichen (aufblasbaren) Kissen, Ohrstöpseln, Schlafmaske und der Borddecke. Wenn ich schlafen kann, ist das ein Bonus. Wenn nicht, akzeptiere ich das und konzentriere mich auf das Ruhen – auch das hilft bereits.
Mein mentaler Ansatz für den langen Flug
So gut ich mich auch vorbereite, ich stelle mich darauf ein, dass der Flug körperlich anstrengend werden wird. Deshalb versuche ich, es als eine Art Tauschgeschäft zu sehen: Zweimal dreizehn Stunden Unbehagen sind der „Preis“, den ich für drei unvergessliche Wochen in Japan zahle.
Um die Zeit schneller vergehen zu lassen, teile ich den Flug mental in kleinere Abschnitte auf: eine Mahlzeit, ein wenig Film gucken, kurz aufstehen, lesen oder spielen, ein Nickerchen – und dann wieder von vorne. Dabei versuche ich, so wenig wie möglich auf die Uhr zu schauen.
Da ich neben Endometriose auch ADHS habe, sorge ich zudem für reichlich Beschäftigung:
Bücher auf dem E-Reader und Hörbücher
Serien und Filme zum Bingewatchen
Heruntergeladene YouTube-Videos zu einem interessanten Thema
Kleines Reisespiel
Offline-Spiele auf dem Smartphone
Apps, um meine Japanisch-Grundkenntnisse aufzufrischen
Rätselbuch
Fidget-Toys, um meine Hände zu beschäftigen
Was, wenn es schiefgeht?
Sollte ich trotz aller Vorbereitungen Schmerzen bekommen, greife ich zuerst auf die Basics zurück: Schmerzmittel, Wärme und mein TENS-Gerät. Zusätzlich versuche ich, meine Aufmerksamkeit umzulenken.
Wenn die Schmerzen stärker werden, werde ich die Crew ansprechen. Sie können mit praktischen Dingen wie der Befüllung meiner Wärmflasche helfen oder mich bei der Suche nach einer bequemeren Position unterstützen.
Gut zu wissen: Die Crew kann im Notfall medizinische Hilfe an Bord organisieren, etwa indem sie einen Arzt unter den Passagieren einschalten oder Kontakt zu medizinischem Support am Boden aufnehmen. Außerdem gibt es an Bord eine medizinische Grundausstattung mit Schmerzmitteln wie Paracetamol und Ibuprofen.
Selbstfürsorge nach der Landung
Nach der Ankunft in Japan setzen mein Mann und ich bewusst auf Ruhe.
Unser Hotel ist vom Flughafen aus leicht erreichbar und liegt an einer ruhigen Metrostation. In Laufnähe gibt es verschiedene Restaurants sowie Convenience Stores, falls wir etwas Einfaches mit ins Zimmer nehmen möchten. Nach einem kurzen Spaziergang gegen die steifen Muskeln wartet im Hotelzimmer ein warmes Bad auf uns – sehr willkommen nach dem Flug.
Am nächsten Tag planen wir einen ruhigen Einstieg in Tokyo: einen Parkbesuch, ein ruhiges Matcha-Café und eine lange Mittagspause.
Fazit
Ja, ein Langstreckenflug mit Endometriose erfordert Vorbereitung und Anpassungen, aber das ist für mich kein Grund, zu Hause zu bleiben. Meine Welt hat sich durch die chronische Erkrankung in den letzten Jahren ohnehin schon klein genug angefühlt.
Diese Reise ist eine bewusste Entscheidung – eine größere Flugreise, bevor wir wieder einen Hund aufnehmen und unsere Urlaube wieder näher an unserem Zuhause planen (natürlich auch aus Umweltgründen sinnvoll).
Ich kann nicht sagen, dass ich mich auf den Flug selbst freue, aber ich vertraue auf meine Vorbereitung und versuche, loszulassen, was ich nicht kontrollieren kann. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass ich mit einem Koffer voller schöner Erinnerungen nach Hause zurückkehren werde.
Hast du auch Endometriose oder eine andere chronische Erkrankung und Erfahrung mit langen Flügen? Ich bin gespannt, was dir dabei geholfen hat! Teile deine Tipps gerne in den Kommentaren.
Mehr Infos?
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